Was ist eine Diabetesambulanz ?

Aus "Wegweiser für Zuckerkranke" von Karl Mellinghoff 1955

Eine Diabetesambulanz ist eine Beratungs- und Versorgungsstelle für Zuckerkranke. Von diabeteskundigen Ärzten geleitete Sonderstellen an größeren Krankenhäusern, Polikliniken oder Gesundheitsämtern zur ambulanten Betreuung von Diabetikern.

"Ambulant" nennt man eine Behandlungsart, bei der die Kranken umhergehen können, also nicht klinikgebunden sind. Berufstätigkeit kann dabei weiter ausgeübt werden.

Die Diabetiker-Beratungsstellen haben sich als außerordentlich segensreich erwiesen. Fortlaufende Überwachung der Stoffwechselllage, frühzeitge Erkennung von Komplikationen, regelmäßige Lungenröntgenkontrollen in Halbjahres- bis spätestens Jahresabständen, regelmäßige Augenuntersuchungen, Beratung der Zuckerkranken bei beruflichen und anderen Sorgen, Insulinverteilung und vieles andere gehört zum Aufgabenkreis der Diabetesambulanz, die dem Zuckerkranken stets mit Rat und Tat behilflich ist und ihm das Fertigwerden mit den Alltagsanforderungen wesentlich erleichtert.

Fürsorge und Nachsorge nach Klinikaufenthalten umhegen den Diabetiker in der Beratungsstelle und geben ihm das Gefühl des Geborgenseins.

Dispensairestellen in der DDR

In der DDR genossen diese Dispensairestellen (frz. für Gesundheitsamt) ein guten Ruf und ihr Wegfall kurz nach der Wende hinterließen vorübergehend ein Verlust an spezialisierter Betreuung und vertrauensvoller Arztbindung.

Die Angleichung des Gesundheitssystems der DDR an das der alten Bundesrepublik verlangte nicht nur eine Anpassung an neue Strukturen, sondern zugleich Verhaltensänderungen von seiten der Patienten: Medizinische Leistungen, bevorzugt in der Prävention, kommen vor allen denjenigen zugute, die es verstehen, diese Leistungen auch einzufordern. Die Inanspruchnahme von präventiven, kurativen und rehabilitativen Angeboten im Gesundheitswesen fordert somit mehr Eigenverantwortlichkeit und Selbstinitiative der Patienten.


Erste DiabetesambulanzDie erste Diabetesambulanz im heutigen Haus 10 am Uniklinikum der Medizinischen Fakultät der TU Dresden wurde von Prof. Otto Rostosiki bereits 1924 etabliert.