Rostoski, der 1872 in Wendemark/ Uckermark als Sohn des
Landwirtes Otto Rostoski (1844-1922) geboren wurde, wandte sich nach
Beendigung der humanistischen Ausbildung in Posen 1892 einer
Familientradition folgend - sein Großvater mütterlicherseits war Arzt -
dem Studium der Medizin zu "sowohl als Naturwissenschaft als auch des
ärztlichen Berufes wegen", wie er rückblickend schrieb.
Sein
Studium absolvierte es sehr erfolgreich in Würzburg, wo er 1895 zum
Doktor der Medizin promoviert wurde und im Jahr 1897 sein Staatsexamen
ablegte. Nach einer kurzen Tätigkeit als Assistenzarzt in der
Lungenheilanstalt Ruppertsheim/Taunus begann er noch 1897 zunächst als
Volontärarzt am Hygiene-Institut der Universität Würzburg und einige
Monate später als Assistent an deren Inneren Klinik unter Wilhelm v.
Leube seine ärztliche Tätigkeit. Im Juli 1902 erfolgte seine
Habilitation mit der vielbeachteten Arbeit "Zur Kenntnis der
Präzipitine". Sein Interesse an physiologisch-chemischen Problemen
führte ihn 1899 und 1904 zu chemischen Studien an die Berliner
Universität. Wie Rostoski in seiner sachlichen und selbstkritischen Art
einschätzte, hatte er es, der als ein guter Lehrer galt, aber "an
wissenschaftlichen Arbeiten, die zum Fortkommen in der akademischen
Laufbahn so wichtig waren", fehlen lassen. So war es sich darüber im
klaren, dass er wenig Aussichten im akademischen Beruf hatte, und
strebte eine Arbeit in einem größeren Krankenhaus an. Nachdem er 1907
eine Stelle als Leiter der II. Medizinischen Klinik in
Dresden-Friedrichstadt angenommen hatte, wurde er noch von der
Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg zum a.o. Professor
ernannt, so dass er den Titel auch in Dresden zu führen berechtigt war.
Bereits
3 Jahre später übernahm er, nach dem Rücktritt von Geheimrat Richard
Schmaltz (1856-1935), die Leitung der Medizinischen Klinik des
Johannstädter Stadtkrankenhauses, das zwar nicht so traditionsreich wie
das Friedrichstädter, dafür aber moderner als dieses war. Fast ein
Vierteljahrhundert stand er seiner Klinik vor. Lediglich während des
Ersten Weltkrieges - er diente als beratender Internist bei der
deutschen Südarmee - mußte er die Leitung der Klinik zeitweise seinem
Oberarzt Lampe überlassen. R. baute zunächst die Hydrotherapeutische
Station aus. Noch 1915 erfolgte die Einrichtung der eigenen
Röntgenstation für die Innere Abteilung. Zu deren Leiter bestimmte er
einen jungen Assistenzarzt, Erich Saupe, der sich zum Röntgenologen
ausbildete. Bis 1924 wurde dieses Station soweit vergrößert, daß die
diagnostischen Arbeiten für andere Abteilungen (außer Chirurgie)
übernommen werden konnten. Die Arbeit Saupes fand auch darin seine
Anerkennung, daß er 1924 das für das gesamte Klinikum zuständige
Röntgentherapie-Institut in Betrieb nehmen konnte. Dieses Beispiel
belegt ein weiteres Talent von Rostoski: fähige Mitarbeiter zu erkennen
und zu fördern, sie mit Aufgaben zu betrauen, die sich aus der
Weiterentwicklung der Medizin ergeben und so mit eben dieser
Entwicklung selbst Schritt halten zu können.
Sehr aktiv nahm Rostoski auch an der in Dresden traditionell
vorbildlich organisierten ärztlichen Fortbildung teil, sei es im Rahmen
des "Hilfsärztlichen Externats"- oder als Vortragender im „Verein für
Ärztekurse". Als eines der letzten Mitglieder des
Landesgesundheitsamtes Sachsens gehörte er nach Aufhebung des
"Hilfsärztlichen Externats" zu den Gründern der "Akademie für
ärztliche Fortbildung", die 1924 ihre Arbeit aufnahm. Aber als
erfahrener Arzt wußte er auch um die Notwendigkeit, fachlich und
menschlich gut ausgebildetes Pflegepersonal heranzuziehen. Deshalb
beteiligte er sich 1912 an der Gründung der Schwesternschule am
Johannstädter Klinikum, deren Leitung er 1918 übernahm. Noch
Jahrzehnte später wurden die Johannstädter Schwestern wegen ihrer
Kompetenz, ihres Taktgefühls und ihrer aufopferungsvollen Arbeit
gerühmt.
Rostoski blieb aber auch selbst wissenschaftlich tätig und suchte
seine Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. 1924 eröffnete er in
Johannstadt die zumindest europaweit erste Diabetikerambulanz unter
Verwirklichung des heute wieder sehr aktuellen Grundsatzes, daß die
ambulante und stationäre Betreuung des Diabetikers in der Hand eines
spezialisierten Arztes liegen sollte. Damit errang er internationale
Anerkennung: seine Ambulanz, die er bereits 5 Jahre nach der Entdeckung
der Insulins errichtete, wurde zu einem Vorbild für die Errichtung
ähnlicher Institutionen in Europa.
Als 1932, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, das Johannstädter
Klinikum mit dem Ziel der Geldeinsparung geschlossen wurde, zog
Rostoski mit seiner Klinik in das "Carola-Haus", konnte aber bereits im
folgenden Jahr wieder in seine "alte" Klinik zurückkehren. Allerdings
blieb er nur ein weiteres Jahr in seiner Stellung, da er als Chef einer
Klinik im nun so genannten "Rudolf-Heß-Krankenhaus", das eine
naturkundliche Ausrichtung erhalten sollte, nicht mehr als tragbar
erschien.
Welche Gründe die neuen Machthaber dafür hatten, kann nur vermutet
werden. War es sein fortgeschrittenes Alter - er hatte inzwischen das
61 Lebensjahr vollendet - oder seine Position zur Naturheilkunde, die
ihn möglicherweise als ungeeignet erscheinen ließ eine Zusammenarbeit
mit der Naturheilkunde anzustreben und zu realisieren? Eine konsequent
ablehnende Haltung gegenüber der Naturheilkunde ist bei Rosioski aber
nicht zu vermuten. Nicht selten wurde er als Konsiliarius in das
bekannte, auch nach naturheilkundlichen Methoden arbeitende Lahmannsche
Sanatorium gerufen.
So hat es ihn hart getroffen, als er 1934 als Leiter "seiner Klinik"
entlassen wurde. Es war wohl auch einem glücklichen Zufall zu
verdanken, daß er die freiwerdende Stelle des Leiters der II.
Medizinischen Klinik des Stadtkrankenhauses Dresden Friedrichstadt
übernehmen konnte. Er hatte dabei die Freude, daß fast alle seine
Assistenten und ein Teil des Pflegepersonals mit ihm gingen. Auch die
Diabetikerambulanz mit all ihren Unterlagen wurde nach Friedrichstadt
verlagert. Hier war er bis zu seiner Pensionierung im Juli 1938 tätig,
konnte auch danach eine nicht unbeträchtlich große Privatpraxis
weiterführen.
Doch sein "Pensionärsdasein" sollte nicht lange währen. Er wurde mit
Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ins Reservelazarett am
Lahmann-Sanatorium auf dem Weißen Hirsch berufen, ab 1941 war er Leiter der Medizinischen Klinik des Stadtkrankenhaus Löbtauer Straße.